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Buchtipp: Wer teilt, hat mehr vom Leben

29.01.2015

Buchtipp: Wer teilt, hat mehr vom Leben

 

Das Streben nach Glück ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, besagt die UN-Resolution 65/309. Vielleicht sollten wir also mehr Wert legen auf ein „Bruttosozialglück" statt auf das Bruttosozialprodukt. Wie solch eine Glücksökonomie aussehen kann, erläutern Annette Jensen und Ute Scheub in ihrem neusten Buch.

 

Was ist Glück? Für viele Menschen ist es ein besonders schöner Sonnenaufgang. Zeit mit Freunden und der Familie. Oder auch einfach ein bisschen Entspannung nach einer besonders stressigen Zeit. Für viele andere Menschen ist es ein tolles Auto, eine Reise in die Karibik oder eine Villa am See - sprich: materieller Wohlstand. Dass materieller Wohlstand aber tatsächlich gar nicht glücklich macht, zeigen Annette Jensen und Ute Schueb in ihrem Buch „Glücksökonomie. Wer teilt, hat mehr vom Leben."

 

Was Glücksökonomie ist, beantworten die beiden Autorinnen zu Anfang ihres Buchs: „alle Formen des Wirtschaftens, welche die Lebenszufriedenheit von Menschen und Gesellschaften fördern."

 

Glück statt Geld

Es folgen neuste Ergebnisse aus der internationalen Glücksforschung und viele Beispiele von Menschen, die Lebensfreude nicht am schnöden Mammon messen. So berichten Ute Scheub und Annette Jensen zum Beispiel von der 72-jährigen Heidemarie Schwermer, die seit 18 Jahren ohne Bargeld lebt - und sich trotzdem in keiner Weise arm fühlt.
Es folgt ein „Blick in den Maschinenraum des Kapitalismus" und die Abkehr vom egoistischen Homo oeconomicus. Die beiden Autorinnen beschreiben, wie durch digitales Teilen „mehr und besseres" entsteht. Und was ihr Verständnis einer patentfreien Produktion ist.

 

So erzählen die beiden Autorinnen zum Beispiel von dem US-Künstler Ivan Owen, der auf die Idee kam, Handprothesen mit Hilfe eines 3-D-Druckers herzustellen. Das Open Prosthetics Project unterstützt vor allem Menschen in ärmeren Ländern. Jeder kann die Baupläne für die Prothesen kostenlos von der Webseite Thingiverse herunterladen.

 

Glücksökönomie: Was ist dran?

Ganz klar: Es ist ein Umdenken in unserer Gesellschaft zu spüren. Daher kann man durchaus sagen, dass die Autorinnen einem Trend auf die Spur kommen - einem Trend hin zu mehr Lebensfreude und Gemeinschaftlichkeit. Zahlreiche Beispiele belegen, dass wirtschaften glücklich machen kann.

 

Das Buch regt zum Umdenken und Nachdenken an. Doch auch die Kritik an der Glücksökonomie wächst, zumindest seitens der klassischen Wirtschaftswissenschaftler. „Glücksökonomen haben ihre Narrenfreiheit verloren, seit sich auch traditionell ausgerichtete Volkswirte ernsthaft mit ihren Ergebnissen auseinandersetzen müssen. Was sie zu Tage fördern, setzt die Fundamente der Glücksökonomie einer argen Belastungsprobe aus", schrieb das Handelsblatt vor einigen Jahren. So stellte zum Beispiel der Nobelpreisträger Gary S. Becker die Frage, wie eine menschliche Zielfunktion, die vor allem das relative Einkommen betone, im Laufe der Evolution entstanden sein könne.

 

Die Antwort lieferten sie auch direkt mit: Die Natur habe per Auslese dafür gesorgt, dass heute vor allem Menschen leben, denen all das Glücksgefühle bereitet, was Überleben und Fortpflanzung fördere. Glück wäre damit nicht das letzte Ziel alles menschlichen Handelns, sondern ein Kniff der Natur, mit dem der Mensch dazu gebracht werde, im Wettkampf der Evolution unermüdlich das Hamsterrad des Lebens zu drehen.

 

Trotz vereinzelter Kritik an der Glücksökonomie: Das Thema ist heute aktueller denn je. Mittlerweile gibt es sogar ein „Ministerium für Glück und Wohlbefinden", das von Vordenkern unserer Gesellschaft gegründet wurde.

 


Fazit: „Glücksökonomie. Wer teilt, hat mehr vom Leben" trifft den Nerv der Zeit. Das Buch überzeugt, bringt viele Praxisbeispiele und lässt dem Leser den Freiraum, sich selbst eine Meinung zu bilden. Abgerundet wird das Buch von einem „Aktionsplan zur Förderung des guten Lebens" - einfache Tipps, wie man vom Homo oeconomicus zum Homo cooperativus wird.

 

Aufgepasst!
Wir verlosen heute drei Ausgaben des Buchs. Und so einfach geht's: Eine E-Mail mit dem Betreff „Buchtipp" an newsletter@compamedia.de senden, und bitte die Postadresse nicht vergessen! Die Gewinner geben wir im nächsten „Spickzettel" bekannt.

 

Annette Jensen, Ute Scheub: „Glücksökonomie. Wer teilt, hat mehr vom Leben", oekom-Verlag, ISBN 9-783865-816610, 19,95 Euro

 

 

von Silja Spreyer